In der Fachstelle gegen sexualisierte Gewalt werden Frauen* ab 16 Jahren beraten, die sexualisierte Gewalt in Kindheit/Jugend, Vergewaltigung oder sexualisierte Belästigung erleben mussten.
Fachstelle gegen sexualisierte Gewalt
Zum Thema
Zum Weiterlesen:
„Wenn ES passiert ist…
Handlungsmöglichkeiten für Frauen nach einer VerGEWALTigung“
Broschüre, 44 Seiten
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Zum Weiterlesen:
„Beratung und Unterstützung für Frauen, die Sexualisierte Gewalt in der Kindheit erlebt haben“
Faltblatt
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Sexualisierte Gewalt in der Kindheit und Jugend
Zum Thema
Sexualisierte Gewalt in der Kindheit und Jugend findet in einem Klima von Abhängigkeit, Bedrohung, Kontrolle und Geheimhaltung statt. Täter*innen (jedoch meistens Täter) nutzen ihr Vertrauensverhältnis und/oder ihre Autorität aus, um Macht und Einfluss über Kinder /Jugendliche zu erlangen. Sexualisierte Gewalt gegenüber Kindern/Jugendlichen wird systematisch vorbereitet und die Risiken der Entdeckung genaustens abgewogen. Dies kann unter anderem zu emotionalen Verstrickungen der Betroffenen führen. Folge davon ist, dass diese oft erst im Erwachsenenalter die Möglichkeit haben, aus dem Kreislauf auszusteigen und unter anderem mit sehr viel Mut sich jemandem anzuvertrauen.
Zahlen, Fakten
Die Zahlen m Bereich sexualisierte Gewalt sind erschreckend hoch und es besteht eine große Dunkelziffer, da viele Taten nicht bekannt werden. Laut einer Dunkelfeldstudie musste circa jede fünfte Frau* in ihrer Kindheit/Jugend sexualisierte Gewalt erleben. [1]
Sie findet in allen sozialen Schichten statt. Die meisten Täter*innen kommen aus dem nahen Umfeld. Laut der Studie „sexualisierte Gewalt gegen Kinder und Jugendliche“ aus dem Jahr 2025 sind circa 95 Prozent der Täter*innen männlich. [2]
[1] Dreßling, et al., 2025: Sexualisierte Gewalt gegen Kinder und Jugendliche
[2] Ebd.
Folgen
Sexualisierte Übergriffe können für Betroffene äußerst demütigend sein. Diese verletzen immer ihr Selbstbild und Selbstwert.
Wird dem Kind geglaubt und erfährt es Unterstützung von Erwachsenen, sind die Auswirkungen besser zu verarbeiten.
Die psychosozialen Folgen können oftmals bis in das Erwachsenenalter reichen oder sich dann erst zeigen. Manche von ihnen sind ständig präsent, andere drängen sich zeitweilig in den Vordergrund und beeinflussen den Alltag.
An die Frauenberatungsstelle können sich alle Frauen* wenden, die sexualisierte Gewalt im Kindes- und Jugendalter erleben mussten und/oder sich vom Thema berührt fühlen. Wir sprechen auch Frauen* an, die bisher vage Vermutungen haben und einen Umgang damit finden wollen.
Frauen*, die unser Beratungsangebot in Anspruch nehmen, berichten häufig davon, dass sie schlecht schlafen können und unter Alpträumen leiden. Es fällt ihnen schwer Nein zu sagen und Grenzen zu setzen. Oft äußern sie, dass sie in Beziehungen zu anderen Menschen Angst haben, die Kontrolle zu verlieren. Scham-, Schuld und Ohnmachtsgefühle sind wiederkehrende Themen in der Beratung. Uns wird geschildert, dass sie sich in bestimmten Situationen ganz taub fühlen oder von Emotionen überschwemmt werden. Manche Frauen* erzählen, dass sie Erinnerungslücken in Bezug auf ihrer Kindheit haben.
Auch berichten sie von erschreckenden Erinnerungsblitzen oder –filmen, die plötzlich auftauchen. Viele Frauen* erzählen, dass sie sich in ihrem Körper unwohl fühlen und unter unangenehmen körperlichen Reaktionen leiden.
Das alles sind normale Reaktionen auf nicht normale Erlebnisse!
Sexualisierte Belästigung
Fast alle Frauen* haben unter anderem beim Feiern, in Bus und Bahn, auf der Straße oder auch in der Ausbildung, auf der Arbeit oder beim Arztbesuch sexualisierte Belästigung erleben müssen. Dies kann sowohl (non)verbaler als auch körperlicher Art sein. Dazu gehören u.a. anzügliche Blicke, sexistische Kommentare, ungewolltes Zuschicken pornografischer Darstellungen oder ungewollte Berührungen. Hierfür werden auch Handys und soziale Netzwerke missbräuchlich genutzt.
Merkmal ist immer, dass sexualisierte Belästigung ein einseitiges Verhalten ist und Unwohlsein bei der Betroffenen auslöst. Es kann eine Spannbreite an Gefühlen und Reaktionen auslösen.
Sexualisierte Übergriffe sind immer eine Machtdemonstration, die die Würde der Betroffenen angreifen soll. Rein statistisch sind es vorwiegend männliche Täter. Besonders schlimm kann es sein, wenn zu dem Täter ein Abhängigkeitsverhältnis besteht.
Vergewaltigung
VerGEWALTigung ist eine der schmerzvollsten Erfahrungen von patriarchalem Machtmissbrauch. Dies ist eine von vielen unterschiedlichen Formen sexualisierter Gewalt, die zur Lebensrealität von uns Frauen* und Mädchen* in dieser Gesellschaft gehören.
In unserer Gesellschaft gibt es Mythen und Falschinformationen über sexualisierte Gewalt. Dadurch fällt es vielen Frauen* schwer, den Übergriff als Vergewaltigung zu benennen. Fakt ist:
- die meisten Frauen* kennen den Täter,
- häufig sind nach der Vergewaltigung keine Verletzungen erkennbar,
- unabhängig von Alter, Aussehen und sozialer Herkunft können wir zu jeder Zeit, an jedem Ort dieser Gewalt ausgesetzt sein.
Frauen* reagieren auf eine VerGEWALTigung so unterschiedlich wie wir Frauen* in unserer Persönlichkeit verschieden sind. Sexualisierte Gewalt bedeutet aber immer und für Jede eine massive Persönlichkeitsverletzung, die zu einer langanhaltenden Traumatisierung führen kann. Sexualisierte Gewalt löst fast immer Gefühle von Schuld und Scham bei den Betroffenen aus. Auch Kontrollverlust und Hilflosigkeit sind häufige Gefühle nach einer Vergewaltigung, besonders wenn der Täter KO-Mitteln verabreicht hat.
Beratung und Unterstützung
- Krisenintervention
- Telefonische und persönliche Beratung – auch für Angehörige, Bezugspersonen und Fachkräfte
- (Traumatherapeutische) Gesprächsreihen
- Moderierte (Selbsthilfe-)Gruppen und Vorträge
- Psychosoziale Prozessbegleitung
- Gegebenenfalls Begleitung z.B. zur Polizei und Gericht
- Unterstützung bei der Antragsstellung, wie z.B. Soziales Entschädigungsgesetz, Stiftung Opferschutz NRW
- Information über soziale, rechtliche und therapeutische Hilfen
- Vermittlung an weiterführende Hilfen
Besonders häufig angefragte Beratungsinhalte:
- Planung konkreter Schutzmaßnahmen
- Entscheidung für oder gegen eine Anzeige
- Unterstützung rund ums Strafverfahren
- Einordnung des Erlebten
- Reaktionen des sozialen Umfeldes
- gegebenenfalls Umgang mit dem Täter
- Umgang mit z.B. Kontrollverlust, Schlafstörungen, Flashbacks, stetiges Gedankenkreiseln
- Umgang mit Gefühlen, z.B. Trauer, Wut, Schuld- und Scham
- Eigene Grenzen und Bedürfnisse
- Umgang mit Sexualität
- Unterstützung bei der Sorge für sich selbst
- Klärung von Gesundheitsfragen
- Stabilisierung für den Alltag, auch in Bezug auf die Erwerbstätigkeit
- Informationen zu weiterführender Unterstützung
Prävention, Öffentlichkeitsarbeit, Vernetzung
Prävention zielt auf die Verhinderung von Gewalt und Gewaltfolgen, den Schutz vor Gewalt oder gewaltfördernde Ursachen.
Ein konkretes Beispiel aus unserer Arbeit ist die Präventions-Kampagne „Luisa ist hier!“. Diese ist ein Hilfsangebot für Frauen* im öffentlichen Raum, die aus einer unangenehmen Situation heraus möchten. Die Kampagne wurde von der Beratungsstelle Frauen-Notruf Münster e.V. initiiert und hier in Düsseldorf von uns federführend umgesetzt, zum Beispiel in Kneipen, Bars, Hotels, Restaurants, Jugendzentren sowie bei Großveranstaltungen auf der Rheinkirmes, Weihnachtsmarkt etc..
Die aktuelle Liste finden Sie hier.
Öffentlichkeitsarbeit ist ein wichtiger Bestandteil unserer Arbeit. Auf kommunaler, Landes- und Bundesebene setzen wir uns für den Aufbau präventiver Strukturen innerhalb unterschiedlicher Institutionen ein.
Es ist uns ein besonderes Anliegen gesellschaftliche Verhältnisse aufzuzeigen und zu verändern, die sexualisierte Gewalt ermöglichen, ignorieren und bagatellisieren.
Hierzu bieten wir Vorträge und Fortbildungen an.
Unter Anderem zu folgenden Themen:
- Sexualisierte Gewalt
- Sexualisierte Belästigung (am Arbeitsplatz)
- K.O.-Mittel
- Handlungsmöglichkeiten rund um die Luisa-Kampagne
Vernetzung mit anderen Organisationen und Personen ist uns ein besonderes Anliegen. Beispielhaft hierfür ist der Arbeitskreis gegen sexualisierte Gewalt. Schon 1986 gründete die Frauenberatungsstelle Düsseldorf den interdisziplinären und fachübergreifenden „Arbeitskreis gegen sexualisierte Gewalt“. Seitdem arbeitet dieser daran, sexualisierte Gewalt adäquat zu bekämpfen, den Schutz und den (institutionellen) Umgang mit den Betroffenen zu verbessern sowie eine effektive Verantwortungsübernahme der Täter zu erreichen.
Ziel des regelmäßig tagenden Arbeitskreises ist es, die Situation von Frauen* nach einer sexualisierten Gewalttat nachhaltig zu verbessern. Vor allem die besondere Rechtslage und die spezifische psychische Situation, bedürfen einer spezialisierten Betrachtungsweise. Der Arbeitskreis leistet dazu eine Bündelung von Fachlichkeit, die bereits in vielen Bereichen erfolgreiche Maßnahmen bewirkt hat.
